Getreu der Devise: der Weg ist das Ziel, setzt der Berliner Choreograf Felix Ruckert in "Betwixt and Between - Tito in Indien" auf die rein menschliche Begegnung. Glamour oder Charisma -für Felix Ruckert zählt eindeutig das Letztere. Eine ungewöhnliche Tänzergruppe hat er diesmal zusammengestellt. Ein Teil von ihnen ist indischer Abstammung und bringt Erfahrungen in klassischen indischen Tanztechniken mit. Der andere Teil entspringt jener Internationalität, die zum Kern von Ruckerts eigener Compagnie gehört. "Betwixt and Between" ist eine gegenseitige Annäherung, tänzerisch und musikalisch. Ganz so als würde der Zuschauer unmittelbar Zeuge eines ersten Kennenlernens. Felix Ruckert hat sich ein choreografisches Regelwerk erarbeitet, genannt TOOLS. Das gibt er den Tänzern an die Hand, um gewissermaßen ihr eigenes Bewegungsrepertoire von innen heraus aufzubrechen und im Dialog Neues daraus zu kreieren. Spielerisch wandeln sich die Gesten und Posen des indischen Bharatanatiam zu jenen des klassischen Balletts. Zu Beginn stecken die Tänzer ihr Feld ab, kreisen vorsichtig umeinander, spiegeln sich gegenseitig in Duetten, loten den Raum aus.
In einer der schönsten Begegnungen ist es der große kräftig gebaute Weiße, der hier schützend den Schirm über den dunkelhäutigen Inder hält. Lauernd beobachtet ein weibliches katzenartiges Wesen den Tanz der ungleichen Männer. Kostüme und Licht geben dem Stück gerade so viel an exotischem Anstrich wie es braucht, ohne schwülstig oder folkloristisch zu wirken. Bei aller Strenge strahlt es etwas von einer Sanftheit aus, die letztlich zwischen allen Welten zu schweben scheint und dennoch im Tanz nie den Boden unter den Füßen verliert. 1Umfangen wird die Atmosphäre einzig von Oliver Doerells wummernden Techno-Beats, die im Wechsel mit dem rhythmischen Klatschen und Stockschlägen der Tänzer einen dynamischen Klangraum bilden.
Wieder einmal ist es verblüffend, wie Ruckerts klare choreografische Handschrift einmal mehr zu neuer und andersartiger Poesie erwacht, nicht zuletzt dank der hier aufeinander treffenden außergewöhnlichen Tänzerpersönlichkeiten.